Filter in der Digitalfotografie

Eine Hand hält einen Filter in der Digitalfotografie in einen Sonnenuntergang

In der früheren Analogfotografie waren Filter für viele Aufnahmesituationen unentbehrlich. Sind Filter in der Digitalfotografie noch genau so unentbehrlich wie in der Analogfotografie oder kann man auf sie verzichten? Dieser Frage gehe ich in diesem Artikel nach.

Ich stelle euch die Filter vor, die auch in der heutigen Digitalfotografie noch unentbehrlich sind.

Filter in der Analogfotografie

In der Analogfotografie gehörten Filter wie selbstverständlich zur Grundausstattung eines jeden ernsthaften Fotografen.

Filter in der Schwarz Weiss Fotografie

Die Schwarz Weiss Fotografen griffen zur besseren Differenzierung der Grautöne auf Rotfilter, Orangefilter, Gelbfilter und Grünfilter zurück. So wurde ein Rotfilter bspw. eingesetzt, um den blauen Himmel abzudunkeln, damit die weißen Wolken besser zur Geltung kamen.

Mit Rot-Filter aufgenommene Landschaft bei Fischerhude in Fischerhude als Beispielbild für Filter in der Digitalfotografie
Wümmewiesen bei Fischerhude mit Rot-Filter aufgenommen

Vor dieser Situation steht der heutige Digitalfotograf zwar immer noch. Die Aufgabe der oben genannten Filter lässt sich mit gebräuchlichen Bildbeitungsprogrammen wie Adobe Photoshop, Adobe Lightroom und/oder Affinity Photo sehr einfach und vielfach sogar besser und feinfühliger nachstellen.

Aus diesem Grunde sind diese früher unentbehrlichen Filter in der heutigen Digitalfotografie nicht mehr notwendig.

Filter für die Schwarz Weiss Fotografie sind in der heutigen Digitalfotografie nicht mehr notwendig. Click to Tweet

Interessierst Du Dich für die Schwarz Weiss Fotografie? Dann sind meine Tipps für die Schwarz Weiss Fotografie genau richtig für Dich.

Filter in der Farbfotografie

Damals wie heute unterscheiden wir das natürliche Licht (Sonnenlicht) vom sogen. Kunstlicht. Während das natürliche Licht in der Farbfotografie keine Auswirkungen auf die Wiedergabe der Farben hat, ist dies bei Kunstlicht anders.

Kleiner Exkurs: Farbkonversionsfilter

Die Farbkonversionsfilter dienten in der Analogfotografie dazu, die Farbwiedergabe eines Farbfilms an das umgebende Licht anzupassen.

Die Konversionsfilter gibt es in zwei Ausprägungen: Die bläulich eingefärbten Typen erhöhen die Farbtemperatur und dienen dazu, mit einem Tageslichtfilm bspw. bei Glühlampenbeleuchtung zu fotografieren.

Umgekehrt senken rötlich eingefärbte Filter die Farbtemperatur. Sie dienen bspw. dazu, mit einem Blitzgerät auf Kunstlichtfilm zu fotografieren, oder auch, um Motive, die im Schatten liegen, bei Tageslicht korrekt wiederzugeben.

Ein populärer Filter dieser Kategorie, der auch in der heutigen Digitalfotografie noch vereinzelt angewendet wird (obwohl es nicht mehr notwendig ist), ist der zartrötlich eingefärbte Skylightfilter. Der Skylightfilter diente dazu, den Blauanteil des Lichts, zum Beispiel bei hochstehender Sonne, herauszufiltern.

Farbkonversionsfilter sind als Filter für die Digitalfotografie nicht mehr notwendig. Eventuell auftretende Farbstiche, wie sie zum Beispiel durch einen “falsch” eingestellten Weissabgleich entstehen können, lassen sich heute in der Bildbearbeitung schnell und unkompliziert korrigieren.

In der Digitalfotografie kann ein Farbstich auch Ausdruck des persönlichen, kreativen Stils sein.

Die in der Analogfotografie gebräuchlichen Farbfilter werden heute nur noch für die kreative Fotografie eingesetzt. Click to Tweet

Filter in der Digitalfotografie, die auch heute noch unentbehrlich sind

Filter in der Digitalfotografie, die auch heute noch unentbehrlich sind, sind:

  • Der Polarisationsfilter (umgangssprachlich auch Polfilter genannt)
  • Die sogen. Neutraldichtefilter (auch ND Filter genannt)
Polfilter und ND Filter sind Filter in der Digitalfotografie, die unentbehrlich sind. Click to Tweet

Ich stelle Dir im Folgenden diese beiden Filter näher vor. Ich erkläre, wie sie wirken und wie die Filter in der Digitalfotografie angewendet werden.

Filter in der Digitalfotografie: Der Polfilter

Die Wirkung des Polfilters lässt sich folgendermaßen zusammenfassen:

  • Der Polfilter kann Spiegelungen (zum Beispiel in Glasscheiben) reduzieren. Je nach Stellung kann er sie jedoch auch verstärken
  • Der Polfilter sorgt für bessere Kontraste, was zu klareren Bildern führt.
  • Der Polfilter intensiviert die Farben des Fotos: Das Blau des Himmels wird verstärkt, das grüne Laub von Bäumen und Sträuchern wird stärker und leuchtender. Auch die Farben des Regenbogens werden mit einem Polfilter intensiver wiedergegeben.

Wirkung des Polfilters

Licht breitet sich in Form von Wellen aus. Diese Wellen haben eine bestimmte Schwingungsrichtung. Die Schwingungsrichtung der Lichtwellen bestimmt die sogenannte Polarisation des Lichtes.

Vereinfacht ausgedrückt lässt der Polfilter Licht einer Schwingsrichtung durch, während die andere Schwingsrichtung des Lichts gesperrt wird.

Bremerhaven mit Polfilter aufgenommen als Beispielbild für Filter in der Digitalfotografie
Bremerhaven (mit Polfilter aufgenommen)

Anwendung des Pol-Filters

Der Polfilter muss bei jeder Aufnahme erneut eingestellt werden. Dazu wird der Filter vor dem Objektiv langsam weiter gedreht. Die Veränderungen werden sofort im Sucher sichtbar.

Wenn Du zum Spiegelungen in einer Glasscheibe reduzieren oder gar ganz löschen willst, drehst Du den Filter langsam weiter, bis die Spiegelung verschwunden ist. Das ist nur in einer ganz bestimmten Stellung der Fall.

Filter in der Digitalfotografie: Der ND Filter

Ihr habt bestimmt schon Fotos gesehen, wo das Wasser eines Wasserfalls oder eines Bachlaufs seidenweich fließend dargestellt wird. Das erreichst Du mit einer sehr langen Belichtungszeit. Aber wie schafft man das bspw. bei hellem Sonnenschein am Tage? Dafür gibt es die ND Filter.

Mit Polfilter und ND Filter aufgenommener Sonnenuntergang am Strand auf dem Darss als Beispielbild für Filter in der Digitalfotografie
Sonnenuntergang auf dem Darss mit ND Filter aufgenommen

Was sind ND Filter und wie wirken sie?

Vereinfacht ausgedrückt sind ND Filter verschieden dicht eingefärbte Filter, die Licht schlucken und so die Belichtungszeit verlängern.

Weil diese Filter die Farbwiedergabe nicht beeinflussen sondern nur Licht schlucken, nennt man sie Neutraldichtefilter.

Neutraldichtefilter gibt es als ND Verlaufsfilter, bei denen nur ein Teil des Filters eingefärbt ist, und als ND Filter, bei denen das ganze Filter eingefärbt sind.

Wirkung des ND Filters
  • Glättender Effekt bei Wasser: Ein Wasserfall wird bspw. weich fließend dargestellt
  • In der Portraitfotografie kannst Du mit offener Blende arbeiten und so das Model sehr gut vom Hintergrund lösen
  • Wenn Du zum Beispiel auf einem belebten Platz fotografierst, wo viele Menschen hin und her gehen, kannst Du die Menschen quasi verschwinden lassen
  • Die Lichter fahrender Autos in der Nachtfotografie werden als lange Lichtspuren dargestellt

Anwendung von ND-Filtern

ND-Filter entfalten ihre größten Effekt bei starkem oder sehr starkem Tageslicht.

In der Landschaftsfotografie lassen sich ND Filter gut einsetzen, wenn Du einen Sonnenuntergang fotografieren willst, um den Himmel abzudunkeln.

Damit wirklich nur der Himmel länger belichtet wird, solltest Du entweder ein Filtersystem nutzen, oder ein sogen. ND Verlaufsfilter, wenn Du Rundfilter nutzt. Wenn Du nicht weißt, was das ist, erkläre ich Dir gleich die Unterschiede.

Schritt für Schritt Anleitung
  • Schritt 1: Motiv auswählen und ohne Filter mit Hilfe des AF fokussieren
  • Schritt 2: Die ermittelte Belichtungszeit merken oder aufschreiben
  • Schritt 3: AF der Kamera ausschalten
  • Schritt 4: Filter aufschrauben oder einschieben
  • Schritt 5: Veränderte Belichtungszeit berechnen (Am einfachsten nutzt Du dafür eine App auf dem Smartphone wie die App ND Filter Expert. Die App habe ich in diesem Artikel schon vorgestellt.)
  • Die errechnete Belichtungszeit auf die Kamera übertragen

Wenn Du ND Filter einsetzen willst, ist die Benutzung eines Stativs unabdingbar.

Bezeichnungen und Stärken von ND Filtern

ND Filter sind in unterschiedlichen Stärken erhältlich. Die Hersteller verwenden unterschiedliche Bezeichnungen: Manche Hersteller verwenden den Grad der Abdunklung, andere verwenden den Verlängerungsfaktor.

In der folgenden Tabelle habe ich die gebräuchlichsten Stärken und Bezeichnungen aufgelistet.

Filter in der Digitalfotografie - Tabelle der Bezeichnungen und Stärken
ND Filter Tabelle

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Filter in der Digitalfotografie: Rundfilter oder Filtersystem

Wenn Du beabsichtigst, Dir Filter zu kaufen, um Deine Fotografie besser zu machen, stehst Du vor der grundsätzlichen Frage: Rundfilter oder Filtersystem?

Rundfilter

Rundfilter werden direkt in das Filtergewinde des jeweiligen Objektivs geschraubt. Das ist auch schon der ganz große Nachteil:

Wenn Du Rundfilter verwenden willst, musst Du für jedes Objektiv, dass Du verwendest, einen separaten Filtersatz kaufen, denn jedes Objektiv hat ein unterschiedlich großes Filtergewinde. Dafür sind die Filter billiger in der Anschaffung.

Es gibt noch einen anderen Nachteil. Warum das ein Nachteil ist, wird Dir gleich von selbst klar werden.

Filtersystem

Im Gegensatz zu den Rundfiltern gibt es auch sogen. Filtersysteme.

Ein Filtersystem besteht aus dem Filterhalter, der in der Regel aus Kunststoff gefertigt ist. In diesen Halter werden die quadratischen Filter eingeschoben. Um den Filterhalter an Deinem Objektiv anbringen zu können, benötigst Du noch einen Satz Adapterringe. Die gibt es, wie die Rundfilter auch, mit verschiedenen Durchmessern.

Filtersysteme sind im Vergleich zu ihren runden Kollegen teurer in der Anschaffung.

Es gibt sie in einer Ausfuhrung mit 100mm und in einer Ausfuhrung mit 150mm. Inzwischen gibt es auch eine noch kleinere Ausführung mit 75mm, die für kleinere DSLM gedacht sind.

Am verbreitetsten ist das System mit 100mm.

Vorteile eines Filtersystems

Ein Vorteil, wenn Du Dich für die Verwendung eines Filtersystems entscheidest, ist, dass Du nur einen Satz Filter für alle Deine Objektive benötigst, und dann nur noch in die Adapterringe investieren musst.

Die Filter der verschiedenen Hersteller sind untereinander kompatibel, d.h. Du kannst einen Filter von Hersteller X in einem Filterhalter von Hersteller Y einsetzen. Damit bist Du relativ unabhängig von den Herstellern.

Der größte Vorteil eines Filtersystems gegenüber den Rundfilter ist, dass Du den Filter zum Beispiel so einsetzen kannst, dass nur der Himmel beeinflusst wird, d.h. Du kannst den Filter so tief einschieben, dass er mit der Horizontlinie übereinstimmt. Außerdem lässt sich der Einschub für die Filter auch noch drehen. So kannst Du zum Beispiel auch schräge Verläufe umsetzen.

Meine Empfehlung

Ich empfehle Dir, wenn Du Filter in Deiner Fotografie einsetzen willst, gleich in ein Filtersystem zu investieren.

Ich selbst arbeite mit dem Lee-Filtersystem: Polfilter, Filterhalter und die Adapterringe sind Lee Filter, als Filter nutze ich jedoch Filter von NiSi.

Auf jeden Fall solltest Du die App ND Filter Expert auf Deinem Smartphone installieren, wenn Du Filter in Deiner Fotografie einsetzen willst. Warum Du die App installieren solltest, erkläre ich Dir in dem verlinkten Artikel.

Wenn Du Fragen und/oder Anmerkungen hast, teile sie mir gerne in den Kommentaren mit.

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