Manuelle Kameraeinstellungen – Ultimative Tipps, sofort das Optimum aus Deiner Kamera zu holen

Kameradisplay einer Canon DSLR zum Fotografieren mit manuellen Kameraeinstellungen
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Zuletzt aktualisiert vor 8 Monaten durch Rolf Hackemann

Fotografierst Du schon oder knipst Du noch (im Automatikmodus)? Das ist die Zusammenfassung vieler Seiten zum Thema Manuelle Kameraeinstellungen. Das gipfelt in der Behauptung, dass man nur im Manuellen Modus kreativ fotografieren kann.

Sind manuelle Kameraeinstellungen gleichbedeutend mit mehr Kreativität?

Auch wenn viele selbsternannte Fotogötter jetzt wahrscheinlich Schnappatmung bekommen:
Kreativität kommt aus dem Kopf und nicht, weil Du Deine Kamera manuell einstellen kannst.
Mit manuellen Kameraeinstellungen erhälst Du lediglich die vollständige Kontrolle über das Aussehen Deiner Bilder zurück.

Kreativ arbeiten kannst Du bspw. auch in den halbautomatischen Modi Zeit- oder Blendenautomatik.
In diesen Modi hast Du nur weniger Kontrolle über Dein Bild.

Mit manuellen Kameraeinstellungen behälst Du die volle Kontrolle, wie Dein Foto aussieht. Click to Tweet

Manuelle Kameraeinstellungen – Belichtungszeit, Blende, ISO verstehen

Bevor ich Dir einige Kameraeinstellungen näher bringe, musst Du erst einmal die Bedeutung von Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit kennen und verstehen, wie diese miteinander zusammenhängen.

Das Belichtungsdreieck

Das sogen. Belichtungsdreieck zeigt den Zusammenhang von den 3 wesentlichen Faktoren, die das Resultat Deines Fotos beeinflussen: Verschlusszeit (Belichtungszeit), Blende und ISO. Alle 3 Parameter beeinflussen sich gegenseitig und sind von einander abhängig. Um ein korrekt belichtetes Bild zu bekommen, müssen diese 3 Parameter im richtigen Verhältnis zueinander stehen.

Manuelle Kameraeinstellungen anhand einer Infografik zum Verständnis der Zusammenhänge zwischen Blende, Belichtungszeit und Empfindlichkeit erklärt
Belichtungsdreieck (Quelle: VHS Bremen)

Die Blende

Die Blendenöffnung regelt, wie weit das Objektiv geöffnet wird. Die Öffnung des Objektivs regelt, ob viel oder wenig Licht in einer bestimmten Zeit auf den Sensor gelangt.

Manuelle Kameraeinstellungen Blendenöffnungen im Vergleich
Blendenöffnungen im Vergleich (Quelle Wikimedia Commons, KoeppiK)

Die Blendenöffnung wird meistens als X.X angegeben.

Wie aus dem obigen Bild ersichtlich, bedeutet eine große Blendenöffnung (kleine Blendenzahl), dass viel Licht auf den Sensor gelangt. Eine kleine Blendenöffnung (große Blendenzahl) hingegen bedeutet, dass wenig Licht auf den Sensor gelangt.

Die Schärfentiefe

Die Blendenöffnung bestimmt zusätzlich, welche Teile des Bildes, ausgehend vom Punkt, auf dem scharf gestellt wurde, zusätzlich scharf abgebildet werden. Die Ausdehnung dieser Entfernungsebene nennt sich Schärfentiefe (Manchmal wird die Schärfentiefe auch Tiefenschärfe genannt. Gemeint ist aber immer das Gleiche, die Ausdehnung der Schärfe in die Tiefe.)

Je weiter das Objektiv geschlossen wird (große Blendenzahl) desto größer ist die Tiefenschärfe, also der Bereich des Bildes, der im Vorder- und Hintergrund des Bildes noch scharf abgebildet wird.

Verschlusszeit (Belichtungszeit)

Die Verschlusszeit definiert, wie lange der Verschluss während der Belichtung offen ist. Bei einer kurzen Belichtungszeit gelangt wenig Licht auf den Sensor, bei einer langen Belichtungszeit gelangt viel Licht auf den Sensor.

Mit Hilfe der Belichtungszeit kannst Du beeinflussen, wie dynamisch Dein Bild aussieht. Eine kurze Belichtungszeit friert Bewegung ein, eine lange Belichtungszeit dagegen verwischt die Bewegung.

Stell Dir vor, Du willst einen Wasserfall fotografieren. Wenn Du hier mit einer kurzen Belichtungszeit fotografieren würdest, würde das Wasser auf dem Bild wie eingefroren wirken.

Wasserfall im Harz fotografiert mit manuellen Kameraeinstellungen mit kurzer Verschlusszeit
Wasserfall im Harz fotografiert mit kurzer Verschlusszeit

Das Bild sieht zwar schon ganz annehmbar aus, aber ich hätte gerne, dass das Fließen des Wasser mehr sichtbar wird. Das ereichst Du durch eine Verlängerung der Belichtungszeit.

Wasserfall im Harz fotografiert mit manuellen Kameraeinstellungen mit langer Verschlusszeit
Wasserfall im Harz fotografiert mit langer Verschlusszeit

Durch die Wahl einer langen Verschlusszeit kommt das Fließen des Wasser richtig schön zur Geltung.

Diesen Effekt machen sich bspw. auch ND Filter zunutze, sie schlucken Licht und verlängern so die Belichtungszeit.
Was ein ND Filter ist, erkläre ich Dir in meinem Artikel über Filter in der Digitalfotografie.

Der ISO

Der ISO bestimmt, wie lichtempfindlich der Sensor reagiert. Je höher der ISO, desto lichtempfindlicher reagiert der Sensor.

In Zeiten der Analogfotografie gab es verschieden lichtempfindliche Filme. In der heutigen Digitalfotografie hat man quasi ein komplettes Sortiment verschieden lichtempfindlicher Filme auf Abruf dabei und kann so sehr flexibel auf wechselnde Lichtsituationen reagieren und die Lichtempfindlichkeit bei jedem Bild entsprechend anpassen.

Ein hoher ISO bedeutet zwar, dass die Kamera sehr lichtempfindlich reagiert, doch leider bringt das ein Problem mit sich: Je höher der ISO, desto größer ist auch das sogen. Bildrauschen.

Das Bildrauschen lässt sich mit jeder etwas besseren Bildbearbeitungssoftware gut entfernen.

Stelle den ISO so niedrig wie möglich und so hoch wie nötig ein. Click to Tweet

Manuelle Kameraeinstellungen – Die verschiedenen Kameramodi

Moderne Digitalkameras bieten Dir verschiedene automatische und manuelle Modi an, mit denen Du fotografieren kannst. Je nach eingestelltem Modus hast Du mal mehr oder weniger Kontrolle über das Ergebnis Deines Bildes. Dabei bieten Dir nur die manuellen Kameraeinstellungen die vollständige Kontrolle über das Aussehen Deines Bildes.

Die Vollautomatik

Wenn Du Deine Kamera auf Vollautomatik einstellst, stellt die Kamera sämtliche Aufnahmeparameter selbständig ein. Du musst nur noch scharf stellen. Leider gibst Du mit dieser Einstellung auch die Kontrolle über das Aussehen Deines Bildes an die Kamera ab.

Du erhältst richtig belichtete Bilder, mehr aber auch nicht.

Der vollautomatische Modus wird oft mit einem grünen Dreieck gekennzeichnet. Je nach Hersteller steht auch ein grünes Kamerasymbol für diesen Modus.

Der P-Modus oder auch Kreativmodus genannt

In diesem Modus stellst Du als Fotograf den ISO selbst ein. Die Kamera stellt in Abhängigkeit des eingestellten ISO die beiden übrigen Aufnahmeparameter, Blendenöffnung und Verschlusszeit, selbständig ein.

Zusätzlich hast Du die Möglichkeit, jederzeit eingreifen zu können und entweder die Verschlusszeit oder die Blendenöffnung Deinen Bedürfnissen entsprechend zu verändern.

Erinnerst Du Dich an das Bild eines Wasserfalls im Harz, dass ich mit einer langen Verschlusszeit fotografiert habe? An diesem Beispiel erkläre ich Dir jetzt den P-Modus.

Nehmen wir an, die Kamera ermittelt für eine korrekte Belichtung folgende Aufnahmeparameter: ISO 100, f/4 und 1/15 Sekunde. Du möchtest jedoch die Schärfentiefe ein wenig mehr ausdehnen und verstellst die Blendenöffnung auf f/5.6. Die Kamera verlängert jetzt selbstständig die Verschlusszeit. Das Ergebnis ist in jedem Fall ein korrekt belichtetes Bild.

Wenn Du keine Zeit hast, sämtliche Aufnahmeparameter selbst einzustellen, empfehle ich Dir, diesen Modus zu nutzen, weil Du einerseits ein korrekt belichtetes Bild bekommst, aber anderseits jederzeit gezielt einen Wert verändern kannst.

Ich nutze diesen Modus zum Beispiel sehr oft in meiner Konzertfotografie, weil ich so schnell auf die wechselnden Lichtverhältnisse und Szenen reagieren kann.

Die halbautomatischen Modi: Zeit- und Blendenautomatik

Noch ein bisschen mehr Kontrolle erhälst Du, wenn Du mit der Zeit- oder Blendenautomatik arbeitest. Du stellst den ISO ein und stellst zusätzlich noch eine feste Verschlusszeit oder Blendenöffnung ein.

Manuelle Kameraeinstellungen: Zeitautomatik

Dieser Modus wird auf der Kamera in der Regel als A oder Av bezeichnet. In diesem Modus kannst Du gezielt die Schärfentiefe steuern.

In der Zeitautomatik wählst Du sowohl den ISO als auch die Blendenöffnung selbst. In Abhängigkeit der eingestellten Parameter stellt die Kamera dann die Verschlusszeit automatisch ein.

Das ist bspw. in der Portraitfotografie hilfreich, wenn Du die Person vom Hintergrund lösen willst.

Vom Hintergrund losgelöster Frauenkopf als Beispiel für manuelle Kameraeinstellungen in der Portraitfotografie
Frauenkopf vom Hintergrund gelöst

In meiner Portraitfotografie stelle ich einen zu den Lichtverhältnissen passenden ISO ein und wähle eine große Blendenöffnung vor. Die Kamera steuert jetzt eine dazu passende Verschlusszeit bei.

Auch bei meinen Makroaufnahmen arbeite ich in der Regel mit der Zeitautomatik: Ich öffne die Blende so weit wie möglich, um die Schärfentiefe ganz gezielt auf ein bestimmtes Detail zu legen. Da ich Makroaufnahmen fast nur mit Stativ mache, stelle ich den ISO möglichst niedrig ein und kontrolliere die Aufnahmeparameter vor der Aufnahme im Sucher. Entsprechend der Werte, die die Kamera ermittelt hat, erhöhe ich dann den ISO schrittweise, bis ich ein korrekt belichtetes Bild bekomme. Die Verschlusszeit vernachlässige ich, da ich mit dem Stativ in jedem Fall verwacklungsfrei fotografieren kann.

Wenn Du auf der Suche nach einem geeigneten Stativ bist, empfehle ich Dir meine Stativ Kaufberatung zu lesen.

Manuelle Kameraeinstellungen: Die Blendenautomatik

Die Blendenautomatik arbeitet ähnlich wie die Zeitautomatik. In der Blendenautomatik stellst Du jedoch den ISO und wählst eine Verschlusszeit vor. Die Kamera steuert dann eine dazu passende Blende bei.

Wenn Du Bewegung im Bild sichtbar machen willst, solltest Du in der Blendenautomatik arbeiten.

Ich nutze die Blendenautomatik zum Beispiel gerne in meiner Hundefotografie, um einen laufenden Hund scharf abzubilden und durch einen unscharfen Hintergrund die Bewegung deutlich zu machen.

Laufender Chihuahua fotografiert mit manuellen Kameraeinstellungen in Blendenautomatik
Laufender Chihuahua fotografiert mit Blendenautomatik

In diesem Artikel gebe ich Dir Tipps für die Hundefotografie.

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Manuelle Kameraeinstellungen: Der Manuelle Modus

In diesem Modus erhälst Du die vollständige Kontrolle, wie Dein Bild später aussieht. Du stellst einen ISO ein und stellst dazu passend eine Verschlusszeit und eine Blendenöffnung ein.

Je nach Deinen Bedürfnissen kannst Du die Aufnahmeparameter ganz individuell einstellen.

Das lässt Dir einen großen Spielraum, Dein Bild zu gestalten. Allerdings birgt dieser Modus einige Risiken, die Du kennen solltest.

  • Deine gewählte Verschlusszeit kann zu lang sein, um bspw. verwacklungsfrei aus der Hand fotografieren zu können. Dann musst Du entweder den ISO erhöhen oder die Blende weiter öffnen.
  • Deine gewählte Blende könnte nicht zu Deiner Absicht passen: In der Portraitfotografie willst Du in der Regel Dein Model vom Hintergrund lösen, dafür musst Du mit mit einer großen Blendenöffnung fotografieren.
  • Dein gewählter ISO könnte so hoch sein, dass es zu Bildrauschen kommt

Erhöhtes Bildrauschen kannst Du später bei der Bildbearbeitung recht gut entfernen. Deshalb kannst Du diesen Punkt problemlos vernachlässigen.

Um in jedem Fall verwacklungsfreie Aufnahmen machen zu können, solltest die verwendete Verschlusszeit nicht länger sein als der Kehrwert aus der verwendeten Brennweite. Beträgt die Brennweite bspw. 100mm, sollte Deine Verschlusszeit nicht länger als 1/100 Sekunde sein.

Faustregel für die Wahl der Verschlusszeit: Nicht länger als der Kehrwert aus der verwendeten Brennweite. Click to Tweet

Wenn Du mit manuellen Kameraeinstellungen arbeitest, empfehle ich Dir, die Blendenöffnung nur zu verändern, wenn es zu Deinen Absichten passt und eher die anderen beiden Aufnahmeparameter zu verändern.

Wie ermittele ich die Aufnahmeparameter für eine korrekte Belichtung?

Die einfachste Möglichkeit, die korrekten Aufnahmeparameter zu ermitteln, ist, sie einfach vom Sucher Deiner Kamera abzulesen, nachdem Du den Auslöser halb durchgedrückt hast. Die so ermittelten Werte für die Verschlusszeit und die Blendenöffnung stellst Du anschließend an Deiner Kamera ein und machst damit eine Aufnahme.

Hilfreich bei der Beurteilung des Bildergebnisses ist, die Überbelichtungswarnung Deiner Kamera zu aktivieren. Um die Helligkeitsverteilung in Deinem Bild beurteilen zu können, blendest Du am besten das sogen. Histogramm ein.

Manuelle Kameraeinstellungen in der Zusammenfassung

Ich habe Dir gezeigt, wie die 3 Aufnahmeparameter ISO, Verschlusszeit und Blendenöffnung zusammen wirken und Du sie gezielt verändern kannst, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

Ich habe Dir gezeigt wie Du mit manuellen Kameraeinstellungen die vollständige Kontrolle über Dein Bild erhälst. Ich habe Dir außerdem die Risiken aufgezeigt, die Du kennen musst, wenn Du im Manuellen Modus fotografierst, und wie Du diese Risiken verringern kannst.

Mit dem Gelernten wirst Du sicherlich nicht von Anfang an tolle Fotos machen. Aber ich habe Dir gezeigt, dass manuelle Kameraeinstellungen kein Hexenwerk sind und Du mit ein bisschen Übung problemlos mit manuellen Kameraeinstellungen fotografieren kannst.

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