Kamerakalibrierung 2023 – Sofort bessere Fotos

Der Calibrite ColorChecker Passport Photo 2 für die Kamerakalibrierung eingesetzt in der Portraitfotografie
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Zuletzt aktualisiert vor 2 Wochen durch Rolf Hackemann

Wenn wir über Farbmanagement für Fotografen sprechen, dürfen wir die Kamerakalibrierung nicht vernachlässigen. In diesem Artikel erfährst Du, warum es wichtig ist, die Kamera zu kalibrieren, um bessere Fotos zu machen.

Über die Bedeutung der Monitorkalibrierung habe ich bereits geschrieben. Beide Vorgänge werden Dir helfen, bessere Fotos zu machen.

Warum die Kamerakalibrierung wichtig ist

Um zu verstehen, warum die Kalibrierung Deiner Kamera so wichtig ist, muss ich Dir ein paar grundlegende Dinge erklären.

Genau genommen sprechen wir nicht von einer Kalibrierung der Kamera sondern über die Profilierung einer bestimmten Kamera-Objektiv-Kombination. Für eine Kalibrierung der Kamera müsste man die Charakteristik des Sensors verändern, und das ist schlicht nicht möglich. Der Einfachheit halber bleibe ich jedoch beim Begriff Kamerakalibrierung.

Leider ist es so, dass jede Kamera und jedes Objektiv seine ganz eigene Farbcharakteristik hat. Und nicht nur das:

Auch die Einstellungen für den ISO, die Belichtungszeit und die Blende interpretiert jeder Hersteller anders. ISO100 bei Canon bspw. ist anders als ISO100 bei Nikon oder Sony oder Fuji (die International Standard Organisation erlaubt Abweichungen).

Methoden der Kamerakalibrierung

Im folgenden stelle ich Dir 2 Methoden vor, wie Du Deine Kamera kalibrieren kannst.

Die erste Methode ist eine mehr visuelle Methode. Die zweite Methode bedient sich eines Hilfsmittels, doch dazu später mehr.

Kamerakalibrierung mit der visuellen Methode

Wenn Du diese Methode nutzen willst, brauchst Du nur Deine Kamera und Zeit. Wie Du dabei vorgehen musst, zeige ich Dir jetzt.

Schritt 1: Standard-Setup

Nehme Dir Deine Kamera (oder, wenn Du mehrere hast, den Body, den Du am häufigsten benutzt) und das Objektiv, mit dem Du am häufigsten fotografierst.

Damit legst quasi Dein ganz persönliches Standard-Setup fest.

Wenn Du es ganz genau machen willst, benutze einen Handbelichtungsmesser. Du kannst jedoch auch den eingebauten Belichtungsmesser Deiner Kamera benutzen.

  • Benutze ein Stativ
  • Fotografiere in RAW
  • Fotografiere im manuellen Modus

Suche Dir jetzt ein durchschnittlich ausgeleuchtetes Motiv und messe die Belichtung.

Die Werte, die Dir der Belichtungsmesser angibt, stellst Du an Deiner Kamera ein. Mit diesen Werten nimmst Du das Bild auf.

Nehme jetzt eine Belichtungsreihe auf im Bereich von 1 Blende Überbelichtung und Unterbelichtung, mit Abstufungen von jeweils 1/3 Blende. So erhälst Du eine Belichtungsreihe mit insgesamt 7 Bildern.

Nehmen wir an, der Belichtungsmesser hat für das Motiv folgende Werte für eine geeignete Belichtung ermittelt: 1/125 bei Blende 5.6 und ISO 200.

Für die folgenden Bilder nimmst Du, ausgehend von diesen Werten, 3 Bilder mit jeweils einer Überbelichtung von jeweils +1/3, +2/3 und +3/3 Blendenstufen auf.

Analog dazu nimmst Du jetzt 3 Bilder mit jeweils einer Unterbelichtung von jeweils -1/3, -2/3 und 3/3 Blendenstufen auf.

Schritt 2: Belichtungsreihe in den RAW Konverter laden

Lade die Belichtungsreihe in den RAW Konverter, mit dem Du arbeitest. Ich nutze für die RAW Entwicklung Adobe Lightroom.

Schaue Dir alle 7 Bilder der Belichtungsreihe in der Einzelbildansicht an. Notiere Dir die Werte für das Bild, dass eine für Dich optimale Belichtung aufweist.

Schritt 3: Belichtungskorrektur in der Kamera (Belichtungsmesser) einstellen

Stelle die in Schritt 2 ermittelten Werte mit der für Dich optimalen Belichtungskorrektur in Deiner Kamera oder Deinem Handbelichtungsmesser ein.

Nehmen wir an, das Bild mit der für Dich optimalen Belichtung ist das Bild mit 1/3 Blendenstufe Überbelichtung. Diesen Korrekturwert stellst Du jetzt für den folgenden 4. Schritt an Deiner Kamera (oder Deinem Handbelichtungsmesser) ein.

Schritt 4: Verschiedene Motive in verschiedenen Lichtsituationen aufnehmen

Gehe jetzt nach draußen und nehme verschiedene Motive in verschiedenen Lichtsituationen mit den Werten auf, die der Belichtungsmesser ermittelt hat.

Du solltest wirklich darauf achten, dass Du möglichst viele unterschiedliche Motive in unterschiedlichen Lichtsituationen aufnimmst.

Schritt 5: Kontrolle der Fotos im RAW Konverter

Lade die Bilder, die Du eben aufgenommen hast, wieder in den RAW Konverter und schaue Dir die Bilder in der Einzelbildansicht an. Wenn die 1/3 Blendenstufe Überbelichtung jetzt bei den Bildern mit unterschiedlichen Lichtsituationen und Farben immer noch gut funktioniert, kannst Du diesen Korrekturwert in Deiner Kamera oder Deinem Handbelichtungsmesser einstellen und nicht mehr verändern.

So kannst Du jetzt die Werte 1:1 übernehmen und musst nicht mehr rechnen.

Voraussetzung für diese Methode ist, dass Du vorher Deinen Monitor kalibriert und profiliert hast, wie ich es in diesem Artikel erkläre.

sharable-quote tweet=”Die Profilierung der Kamera setzt einen kalibrierten und profilierten Monitor voraus” user=”ArtsRoHa” hashtags=”fotografie, farbmanagement” template=”modern”]

Softwareunterstützte Kamerakalibrierung

Die Methode, die ich Dir jetzt vorstelle, ist, zugegeben, teuer. Die Investition wird sich aber für Dich lohnen, denn Du sparst damit viel Zeit bei der Bearbeitung Deiner Bilder ein.

Ich stelle Dir hier den Calibrite ColorChecker Passport Photo 2 näher vor, den ich verwende.

Ein ähnliches Produkt gibt es auch von Datacolor. Das hat in etwa die gleiche Funktionalität und kostet etwas weniger als die Lösung von Calibrite.

Das Produkt von Datacolor hat einen Stativanschluss. Das Produkt von Calibrite hat diesen nicht, ist dafür jedoch erheblich kleiner und lässt sich überall bequem aufstellen. Die Handlichkeit des Calibrite ColorChecker Passport Photo 2 ist ein Grund, warum ich mich für diese Lösung entschieden habe. Den zweiten Grund erkläre ich Dir später.

Was ist der Calibrite ColorChecker Passport Photo 2?

Der ColorChecker Passport Photo 2 ist ein Werkzeug für alle Fotografen, die Wert auf eine präzise und konstante Farbdarstellung legen und kreative Flexibilität suchen.

Calibrite kombiniert hier 4 fotografische Tools in einer Größe, die in jeder Fototasche oder Fotorucksack Platz hat.

  • Klassisches Graubalance-Target für die Belichtungsmessung (die misst man idealerweise mit der Spotmessung)
  • Target für die Benutzerdefinierte Bestimmung des Weißabgleich
  • 24 definierte Farbfelder nach Industriestandard zur Einstellung der Farbbalance
  • Kreatives Optimierungs-Target für die Portrait- und die Landschaftsfotografie

Zusammen mit der mitgelieferten Software zur Kamerakalibrierung und dem praktischen PlugIn für Adobe Lightroom bekommst Du die volle Kontrolle über Dein Bild.

Erstellung eines Kameraprofils mit Hilfe der mitgelieferten Software vom Calibrite ColorChecker Passport Photo 2

Wahrscheinlich hast Du es schon erraten, jetzt kommt wieder ein bisschen Fleißarbeit auf Dich zu. Das Verfahren ist jedoch simpel und geht schnell.

Installiere als erstes die mit dem ColorChecker mitgelieferte Software. Dabei wird nicht nur die Software selbst installiert sondern auch gleich ein praktisches Lightroom-PlugIn. Nach der Installation steht Dir in Lightroom unter dem Punkt Export ein zusätzliches Exportziel zur Verfügung, die das Foto an die Software von Calibrite weiterleitet.

ColorChecker Passport Photo 2 für die Kamerakalibrierung eingesetzt in der Portraitfotografie von RoHa Arts Fotografie
ColorChecker Passport Photo 2 für die Kamerakalibrierung

Die Kamera erkennt in der Regel das Farb-Target in Deinem Bild automatisch und erstellt daraus ein spezielles Kameraprofil für Lightroom. Nach einem Neustart von Lightroom steht Dir das erstellte Profil unter den Kameraprofilen zur Verfügung. So kannst Du es für jedes Bild verwenden, dass unter der gleichen Lichtsituation entstanden ist.

Wie oben schon angedeutet: Du musst jedesmal, wenn sich die Lichtsituation geändert hat, wieder ein Bild mit dem Farb-Target aufnehmen und daraus mit der Software ein Profil erstellen lassen.

Um die Übersicht über die Profile zu behalten, empfehle ich Dir, im Dateinamen die Kamera, das Objektiv und die Lichtsituation zu vermerken.

Bei dem oben gezeigten Bild aus einem Portraitshooting sieht der Name so aus: EOS6DMkII-EF24-105mm-GodoxV1. In der Landschaftsfotografie würde ich anstelle von GodoxV1 zum Beispiel Sonnenlicht-16:00 verwenden. Da ich in aller Regel nur mit meiner EOS 6D Mark II fotografiere und sehr häufig das EF 24-105mm f/4L IS USM verwende, bleibt dieser Teil im Dateinamen immer gleich.

Kalibrierung und Profilerstellung für den Belichtungsmesser Sekonic L478D Litemaster Pro

Wenn Du einen Handbelichtungsmesser wie den Sekonic L478D Lightmaster Pro verwendest, kannst Du sogar ein spezielles Profil für Deine Kamera-Objektiv-Kombination erstellen lassen und auf den Belichtungsmesser laden. Wie das geht, erkläre ich Dir jetzt.

Schritt 1: Foto für die Profilerstellung aufnehmen

Equipment Anordnung um ein Kameraprofil für den Handbelichtungsmesser Sekonic L478D zu erstellen
Equipment Anordnung für die Erstellung eines Kameraprofils für den Sekonic L478D
Quelle: Handbuch Data Transfer Software
Schema des Licht Setup und Equipment Aufbaus für die Erstellung eines Kameraprofils für den Handbelichtungsmesser Sekonic L478D
Schema der Equipment Anordnung und des Licht Setups für die Erstellung eines Kameraprofils
Quelle: Handbuch Sekonic Data Transfer Software

Stelle Deine Kamera auf ein Stativ und platziere das Farb-Target Deines Calibrite ColorChecker Passport Photo 2 vor einen homogenen Hintergrund. Die Kamera sollte so platziert werden, dass Du das Farb-Target möglichst formatfüllend aufnehmen kannst. Nutze am besten einen bewölkten Tag, um eine möglichst schattenfreie Beleuchtung zu erziehen. Alternativ könntest Du auch 2 LED Leuchten mit Tageslichtcharakter zur Beleuchtung nutzen.

Mache jetzt eine Aufnahme mit den von der Kamera per Spotmessung auf das neutralgraue Feld des Farb-Target ermittelten Werten im manuellen Modus. Jetzt fertigst Du noch jeweils eine Aufnahme des Farb-Target mit einer Überbelichtung von +3 Blendenstufen und eine Aufnahme mit einer Unterbelichtung von -3 Blendenstufen an.

Die 3 eben erstellten Aufnahmen lädst Du in die Software Data Transfer Software von Sekonic. Die Software führt Dich durch den weiteren Prozess der Profilerstellung und generiert schließlich ein Profil, dass Du in den L478D Litemaster Pro laden kannst.

Wenn Du später in Deinem Sekonic L478D dieses Profil aktivierst, bekommst Du sehr verlässliche und genaue Werte.

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Kamerakalibrierung zusammengefasst

Ich habe Dir in diesem Artikel erklärt, warum Du Deine Kamera kalibrieren solltest. Welche Methode Du davon nutzt, bleibt Dir überlassen. Wenn Du erst mit der Fotografie angefangen hast, kannst Du getrost auf die visuelle Methode zurückgreifen. Das empfehle ich Dir auch, wenn Du (noch) keinen verhältnismäßig teuren Handbelichtungsmesser hast.

Wenn Du Wert auf eine verlässliche Farbdarstellung legst und Du Deinen Lightroom Workflow beschleunigen willst, empfehle ich Dir die Investition in den Calibrite ColorChecker Passport Photo 2. Das ist auch meine Empfehlung, wenn Du schon einen Handbelichtungsmesser besitzst, zum Beispiel einen von Gossen oder den Sekonic L378-X.

Wenn Du alle Vorteile des wirklich guten Sekonic L478D Litemaster Pro ausschöpfen willst, kommst Du um die Anschaffung des ColorChecker nicht herum.

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