Handbelichtungsmesser – Macht er im Jahre 2023 noch Sinn?

Ein digitaler Handbelichtungsmesser in der Hand eines Fotografen
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Zuletzt aktualisiert vor 11 Monaten durch Rolf Hackemann

Wenn Du, wie ich, aus der Analogfotografie kommst, kennst Du das sicherlich schon: Da nicht jede Kamera einen eingebauten Belichtungsmesser hatte, war in jeder Fototasche ein Handbelichtungsmesser zu finden. Heute, in Zeiten der Digitalfotografie, hat jede DSLR und jede Systemkamera einen eingebauten Belichtungsmesser.

Macht ein externer Belichtungsmesser deshalb noch Sinn, oder kann man darauf verzichten? Diese Frage kläre ich jetzt mit Dir.

Macht ein Handbelichtungsmesser heute noch Sinn, oder kann man darauf verzichten?

Jede digitale Spiegelreflexkamera und jede spiegelose Systemkamera hat heute einen eingebauten Belichtungsmesser. Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob man heute, wo fast jeder mit einer Digitalkamera fotografiert, noch einen Handbelichtungsmesser braucht.

Natürlich braucht man heute keinen externen Belichtungsmesser mehr, und benutzen muss man auch nicht unbedingt einen. Warum Du Dir, auch wenn Deine Kamera einen eingebauten Belichtungsmesser hat, auch heute noch überlegen solltest, einen Handbelichtungsmesser anzuschaffen, wirst Du im Verlauf des Artikels noch merken.

In der Hand gehaltener, digitaler Handbelichtungsmesser zur Belichtungsmessung
Digitaler Handbelichtungsmesser

Exkurs: Die Belichtung richtig messen

Um zu verstehen, warum ein Handbelichtungsmesser auch heute, im Zeitalter der Digitalfotografie, wo jede Kamera schon einen Belichtungsmesser eingebaut hat, Sinn macht, erkläre ich Dir jetzt, wie die Belichtung überhaupt ermittelt wird.

Die 2 Arten der Belichtungsmessung

Genau genommen gibt es sogar 3 Arten der Belichtungsmessung. Welche das sind, zeige ich Dir jetzt.

Die Schätzung der richtigen Belichtung

Gerade heutzutage könnte man meinen, man könne doch einfach die richtige Belichtung für ein Foto schätzen und sich dann mit Probeaufnahmen an die richtige Belichtung herantasten.

Mit den heutigen Digitalkameras und den Hilfsmitteln, die sie für den Fotografen bereithalten, gelingt das sicherlich dem ein oder anderen gestandenen Fotografen mehr oder weniger gut, besonders, wenn er aus der Analogfotografie kommt und schon Jahrzehnte lang.fotografiert. Dann hat man über die Jahre ein Gefühl für Helligkeiten bekommen.

Aber wirklich empfehlenswert ist das nicht. Wir alle wissen, wie schnell man sich verschätzen kann.

Natürlich kann man die Belichtung auch schätzen. Das machen jedoch nur selbsternannte Fotogötter. Click to Tweet

Belichtungsmessung mit einem externen oder internen Belichtungsmesser

Verlässlicher als die Schätzmethode ist es, die richtige Belichtung mit einem Belichtungsmesser zu ermitteln, egal, ob es der eingebaute in Deiner Kamera ist, oder man die Belichtung mit einem Handbelichtungsmesser ermittelt.

Bei der Belichtungsmessung mit einem Belichtungsmesser unterscheiden wir in der Fotografie 2 Arten:

  • Die sogen. Objektmessung
  • und die sogen. Lichtmessung

Diese erkläre ich Dir jetzt.

Objektmessung

Die wohl bekannteste Methode der Belichtungsmessung ist die sogen. Objektmessung.

Bei dieser Methode misst man das Licht, das ein Motiv reflektiert. Nach dieser Methode misst zum Beispiel der eingebaute Belichtungsmesser in Deiner Kamera.

Wenn Du den Auslöser an Deiner Kamera halb durchdrückst, stellt der Autofokus Deiner Kamera auf das Motiv scharf und der Prozessor Deiner Kamera misst das Licht, dass das Motiv in Richtung Deiner Kamera reflektiert, und schlägt Dir eine geeignete Kombination aus Blende und Belichtungszeit für den ISO, den Du an Deiner Kamera eingestellt hast, vor.

Wenn Du im manuellen Modus fotografierst, mußt Du Dir diese Werte notieren und dann in Deine Kamera eingeben. Du weißt nicht, wie Du im manuellen Modus fotografierst? Kein Problem. Darüber habe ich einen eigenen Blogartikel verfasst.

Dabei geht der Belichtungsmesser davon aus, dass das Motiv eine mittlere Helligkeit mit einem Reflektionsvermögen von 18% aufweist. Wie so oft in der Fotografie funktioniert das nicht immer: Eine weiße Fläche (z.B. Schnee) ist natürlich heller als eine schwarze Flâche. Wenn ich die weiße Fläche mit den vom Belichtungsmesser vorgeschlagenen Werten fotografiere, erhalte ich ein mittleres Grau. Das gleiche Ergebnis erhalte ich jedoch auch, wenn ich die schwarze Flâche mit den vorgeschlagenen Werten fotografiere.

Bei Motiven mit einem großen Anteil an hellen oder dunklen Flächen kann man mit einer sogen. Graukarte eine Ersatzmessung machen. Die muss man dann jedoch bei jeder Änderung der Lichtsituation wiederholen.

Etwas genauer geht es, wenn ich in den bildwichtigen Motivteil zoome, die Belichtung messe und speichere und anschließend meinen Bildausschnitt festlege und mit den gespeicherten Werten die Aufnahme mache.

Lichtmessung

Sehr viel verlässlicher als die oben genannte Objektmessung ist die zweite Methode der Belichtungsmessung: Die Lichtmessung.

Bei der Lichtmessung werden die tatsächlich vorhandenen Lichtverhältnisse unabhängig von deren Helligkeit gemessen (beurteilt).

Um mit dieser Art der Belichtungsmessung arbeiten zu können, brauchst Du einen Handbelichtungsmesser, der eingebaute Belichtungsmesser in Deiner Kamera kann diese Methode der Belichtungsmessung nicht.

Was folgt daraus aus der Praxis? Eigentlich lässt sich die Lichtmessung nur vernünftig einsetzen, wenn Du im Studio arbeitest, oder in der Portraitfotografie, wenn Du Outdoor shootest, eben bei Motiven im Nahbereich.

Mit Nahbereich ist hier nicht die Makrofotografie gemeint. Hier ist die Lichtmessung aufgrund der Fluchtdistanz von Tieren nur bei statischen Motiven einsetzbar.

Warum Du dennoch den Kauf eines Handbelichtungsmesser in Erwägung ziehen solltest

Du arbeitest vorwiegend in der Landschaftsfotografie und denkst, der eingebaute Belichtungsmesser reicht? Das stimmt, und auch wieder nicht. Gerade in der Landschaftsfotografie macht die Anschaffung eines Handbelichtungsmesser langfristig durchaus Sinn. Wenn, ja wenn Du sowohl den Handbelichtungsmesser als auch Deinen Monitor “kalibriert” hast. Warum es genau so wichtig ist, die Kamera (oder, in diesem Fall, den Handbelichtungsmesser) zu kalibrieren, kannst Du in diesem Artikel nachlesen. Das was ich Dir dort erklärt habe, gilt synonym auch für die Objektmessung mit einem Handbelichtungsmesser.

Wenn Du die notwendigen Vorarbeiten, die ich Dir in dem verlinkten Artikel erledigt hast, kannst Du in Deiner Landschaftsfotografie sehr viel Zeit sparen:

Wenn Du, wie ich, viel mit ND Filtern und/oder ND Verlaufsfilter arbeitest, kannst Du die Verlängerungsfaktoren für die Filter schon bei der Belichtungsmessung berücksichtigen. Die gemessenen Werte kannst Du direkt in Deine Kamera eingeben. Das beschleunigt nicht nur die Zeit, die Du brauchst, um ein Bild aufzunehmen, sondern auch die Zeit der Bildbearbeitung.

Viele Belichtungsmesser bieten die Möglichkeit, aus mehreren, selektiven Messungen einen Mittelwert zu berechnen. Für einige Handbelichtungsmesser, wie den von mir genutzten Sekonic L478D gibt es einen 5° Aufsatz. Damit kannst Du ganz gezielt bestimmte Motivteile abmessen. Der Belichtungsmesser ermittelt daraus den Mittelwert.

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Gibt es eine Alternative zum teuren Handbelichtungsmesser?

Der Kauf eines Handbelichtungsmesser macht zwar Sinn, ist aber mit erheblichen Kosten verbunden. Wenn Du den Kauf in Erwägung ziehst, musst Du mit Kosten von 200€-300€ oder mehr rechnen. Da drängt sich die Frage nach einer billigeren Alternative geradezu auf.

Es geht tatsächlich auch billiger. Alles was Du dazu brauchst, ist ein Smartphone und eine entsprechende App.

Belichtungsmessung mit iPhone

Wenn Du ein iPhone hast, empfiehlt sich die App Foto licht und Belichtungsmesser. Wie verlässlich der ist, kann ich Dir leider nicht sagen, da ich kein iPhone habe.

Wer zu viel Geld hat, kann sich auch den Aufsatz Lumu Lightmeter kaufen. Das ist preislich allerdings auch nicht billiger als ein Handbelichtungsmesser.

Belichtungsmessung mit Android

Für Android kann ich euch die App beeCam empfehlen. Die App misst erstaunlich präzise (im Vergleich mit meinem kalibrierten Handbelichtungsmesser getestet).

Screenshot der Benutzeroberfläche der Android App beeCam Lightmeter
Screenshot der Benutzeroberfläche von beeCam LightMeter

Leider gibt es die App nicht im Google Play Store, und sie wird offenbar auch nicht mehr weiter entwickelt. Dafür gibt es sie kostenlos. Da auch nicht alle Smartphones gleich hell sind, und/oder Du vielleicht eine Display Schutzfolie benutzt, musst Du auch bei BeeCam vor dem ersten Einsatz die Software mit Hilfe der Optionen der App auf Dein Smartphone kalibrieren.

Die App nutzt für die Messung nicht die Kamera, sondern den Lichtsensor des Smartphone. Wenn Dich die App interessiert, kann ich Dir gerne bei Bedarf meine App zukommen lassen.

Im Play Store gibt es einige Alternativen, die ich getestet habe, die sind aber nicht so präzise gewesen wie beeCam. Wenn Du im Play Store auf die Suche gehst, kann ich Dir die App OKO Light Meter als Alternative empfehlen, die nach dem gleichen Prinzip arbeitet. Eine andere Alternative ist die App LightMeter.

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